Tschechien: Diskriminierung von Roma auf dem Wohnungsmarkt

Laut einer Forschung haben viele Roma und Sinti Diskriminierung bei der Wohnungssuche erlebt.

Roma und Sinti stoßen oft bei der Wohnungssuche auf Vorurteile und Schubladendenken. Es ist schwierig für sie, eine Wohnung zu mieten als für die Mehrheit der Tschechen. Dies bestätigt eine Bachelorarbeit, die Robert Olah, ein Student an der Jan-Evangelista-Purkyně-Universität Ústí nad Labem geschrieben hat.

Foto: Jana Šustová

Robert erschuf acht fiktive männliche und weibliche Figuren mit den typischen Namen von Roma und Tschechen. Unter ausgedachten Namen fand er 1600 Wohnungsangebote auf tschechischen Webseiten chcibezrealitky.cz und byty.cz, wo die Besitzer selbst ihre Immobile inserieren.

Fast 69 Prozent der Vermieter reagierten auf die Nachfragen von erfundenen Personen. Die Roma-Figuren bekamen etwa 50 Prozent positiver Antworten. Die ausgedachte Mieter tschechischer Herkunft erzielten bessere Ergebnisse, sie erhielten 82 Prozent positiver Antworten. Bemerkenswert ist, dass alle negative Nachrichten von Vermietern keine Beleidigungen enthielten.

Der Forschung zufolge sind die Menschen aus den Verwaltungsregionen Mährisch-Schlesien und Aussig (Ústecký kraj) gegenüber Roma und Sinti oft voreingenommen als Bürger im Rest des Landes. Diese Regionen leiden unter den sozialen Problemen und unter der Segregation, berichtet das tschechische Nachrichtenportal denikreferendum.cz.

Aus der Forschung geht hervor, dass das Vorhandensein einer Hochschulbildung bei Roma-Mietern sehr wichtig für die Vermieter ist. Hochgebildete Roma haben die doppelte Chance, eine Wohnung zu mieten, als Roma, die keine Bildung haben.

Die tschechische Organisation IQ Roma Servis hat auch mehrmals auf Diskriminierung von Roma auf dem Wohnungsmarkt hingewiesen, die schon 20 Jahre im Schutzbereich von Rechten und Freiheiten der tschechischen romanessprechenden Gesamtminderheit arbeitet. “Wir wissen aus Erfahrung, dass, wenn man sich im Telefongespräch mit Namen von Sinti und Roma vorstellt, dann ein Vermieter höchstwahrscheinlich den Hörer auflegt.”, erzählte Organisationssprecherin Veronika Stiglerova dem tschechischen Nachrichtenportal “Deník Referendum”. Wenn ein Anrufer sich am Telefon als Tscheche ausgibt, lädt ein Vermieter ihn zu einer offenen Wohnungsbesichtigung ein.

Seit 15 Jahren gilt das Antidiskriminierungsgesetz in der Tschechischen Republik. Das Gesetz muss den gleichberechtigten Zugang zu dem Wohnungsmarkt für alle Menschen unabhängig von Rasse, sozialer Herkunft, Religion oder Geschlecht gewährleisten.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google photo

You are commenting using your Google account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s