Donau-Oder-Elbe-Kanal ist großer Fehler

Die Tschechische Republik leidet unter einer enormen Dürre. Aber anstatt echter Maßnahmen zur Wasserrückhaltung in der Landschaft will die tschechische Regierung der sinnlose Donau-Oder-Elbe-Kanal (DOEK) bauen. Es geht um den Bau eines Teilstücks an der Oder zwischen Ostrava und der Grenze mit Polen. Einem Bericht des Senders Radio Prag zufolge soll die erste Bauetappe 15 Milliarden Kronen (etwa 554 Millionen Euro) kosten. Die Gesamtlänge der Schifffahrtstraße beträgt rund 62 Kilometer.

Die tschechische Partei der Grünen (Strana zelených) stellte sich gegen geplantes Kanal-Projekt. Die Partei schlägt vor, den Kanal aufzugeben und das angesparte Geld in den nächsten 20 Jahren in sinnvollere Maßnahmen zu investieren.

Die Grünen-Mitglieder fassen eine Petition ab, die schon 13.580 Menschen unterschrieben haben. Die Umweltorganisationen befürchten massive Eingriffe in den Wasserhaushalt und zahlreiche bestehende Naturschutzgebiete. Die Ökologen betonen, dass die Realisierung derartiges Projektes zur Zunahme regionaler Umweltkatastrophen (Dürre, Überschwemmung u.a.) führen kann.

Die Ökonomin und Rektorin der Mendel-Universität in Brno/Brünn (tschechisch: Mendelova univerzita v Brně, kurz: MENDELU) Danuše Nerudová bezeichnete diese Investitionen in Zeiten des Haushaltsdefizits als absurd. “Wir haben darüber gesprochen, dass man klug im Rahmen des Neustarts der Wirtschaft investieren muss. Wir dürfen das Geld nicht in Beton versenken”, – sagte sie dem tschechischen Online-eMagazin “Echo24.cz“.

“Wir haben keine umgebaute Dálnice 1 (die älteste und längste Autobahn in Tschechien), keine Hochgeschwindigkeits-Eisenbahnen, aber wir bauen den megalomanischen Kanal in einer Zeit, in der wir weder Rentereform noch Steuerreform haben, aber wir haben Geld für solche Sache”, fügte Danuše Nerudová hinzu, die auch Mitglied von KoroNERV-20 ist.

50 Städte und Dörfer protestierten im vergangenen Oktober gegen Projektstart. Dann verfassen die Bürgermeister ein Memorandum, in dem sie fordern, den unbestrittenen Nutzen des Kanals zu beweisen.

Tschechien: Diskriminierung von Roma auf dem Wohnungsmarkt

Laut einer Forschung haben viele Roma und Sinti Diskriminierung bei der Wohnungssuche erlebt.

Roma und Sinti stoßen oft bei der Wohnungssuche auf Vorurteile und Schubladendenken. Es ist schwierig für sie, eine Wohnung zu mieten als für die Mehrheit der Tschechen. Dies bestätigt eine Bachelorarbeit, die Robert Olah, ein Student an der Jan-Evangelista-Purkyně-Universität Ústí nad Labem geschrieben hat.

Foto: Jana Šustová

Robert erschuf acht fiktive männliche und weibliche Figuren mit den typischen Namen von Roma und Tschechen. Unter ausgedachten Namen fand er 1600 Wohnungsangebote auf tschechischen Webseiten chcibezrealitky.cz und byty.cz, wo die Besitzer selbst ihre Immobile inserieren.

Fast 69 Prozent der Vermieter reagierten auf die Nachfragen von erfundenen Personen. Die Roma-Figuren bekamen etwa 50 Prozent positiver Antworten. Die ausgedachte Mieter tschechischer Herkunft erzielten bessere Ergebnisse, sie erhielten 82 Prozent positiver Antworten. Bemerkenswert ist, dass alle negative Nachrichten von Vermietern keine Beleidigungen enthielten.

Der Forschung zufolge sind die Menschen aus den Verwaltungsregionen Mährisch-Schlesien und Aussig (Ústecký kraj) gegenüber Roma und Sinti oft voreingenommen als Bürger im Rest des Landes. Diese Regionen leiden unter den sozialen Problemen und unter der Segregation, berichtet das tschechische Nachrichtenportal denikreferendum.cz.

Aus der Forschung geht hervor, dass das Vorhandensein einer Hochschulbildung bei Roma-Mietern sehr wichtig für die Vermieter ist. Hochgebildete Roma haben die doppelte Chance, eine Wohnung zu mieten, als Roma, die keine Bildung haben.

Die tschechische Organisation IQ Roma Servis hat auch mehrmals auf Diskriminierung von Roma auf dem Wohnungsmarkt hingewiesen, die schon 20 Jahre im Schutzbereich von Rechten und Freiheiten der tschechischen romanessprechenden Gesamtminderheit arbeitet. “Wir wissen aus Erfahrung, dass, wenn man sich im Telefongespräch mit Namen von Sinti und Roma vorstellt, dann ein Vermieter höchstwahrscheinlich den Hörer auflegt.”, erzählte Organisationssprecherin Veronika Stiglerova dem tschechischen Nachrichtenportal “Deník Referendum”. Wenn ein Anrufer sich am Telefon als Tscheche ausgibt, lädt ein Vermieter ihn zu einer offenen Wohnungsbesichtigung ein.

Seit 15 Jahren gilt das Antidiskriminierungsgesetz in der Tschechischen Republik. Das Gesetz muss den gleichberechtigten Zugang zu dem Wohnungsmarkt für alle Menschen unabhängig von Rasse, sozialer Herkunft, Religion oder Geschlecht gewährleisten.

Sie sind 13 Jahre alt, aber sie denken schon an Selbstmord: Wie ist es, schwuler Rom zu sein?

In letzter Zeit spricht man oft über sexuelle Minderheiten unter Roma. Die jahrelange Tabuisierung der Sexualität hat viele Folgen für queere Roma und Sinti. Einige verändern die sexuelle Orientierung und gründen eine Familie, andere wurden von Haus und Hof verjagt.

Der homosexuelle Roma-Aktivist Gianni Jovanovic kämpft heute mit der Initiative „Queer Roma“ gegen Homophobie und Rassismus

Denisa Urbanszka ist in der Umgebung aufgewachsen, wo die Homosexualität (auch Sexualität) ein Tabuthema ist, weil das den christlichen Traditionen der Sinti und Roma widerspricht. “Das Jahr, als ich den Eltern meine sexuelle Orientierung offenbarte, war für mich das bisher schlimmste Jahr meines Lebens. Der Vater weinte und die Mutter erzählte allen von meinem Co­ming-out, weil sie mich beschämen wollte. Sie dachte, dass ich das machte, um die Eltern zu ärgern. Sie meinte, dass ich mich an ihnen für etwas räche. Ich hielt es nicht aus und entkam aus dem Haus.”, erzählte Denisa.

Rene Polak, schwuler Rom aus Ostrava (die drittgrößte Stadt Tschechiens) , stand unter großem Stress, als er sich seiner Mutter zur Homosexualität bekannte, weil sie ihn rausgeschmissen hat. “Selbst wenn ich zum Familienfest komme, höre ich, dass alle im Flüsterton über mich reden. Das ist eine stille Diskriminierung, hinter meinem Rücken schlecht zu reden.”, erzählte Rene.

Die Ex­kom­mu­ni­zie­rung ist die größte Strafe unter Roma und Sinti. Derjenige, der die Regeln der rituellen Reinheit verletzt, soll für immer seine Familie verlassen. Niemand darf mit so einem Mann reden. Und seine Verwandten sollen seine Fotos von der Wand nehmen.

Es ist traurig, dass eine ethnische Minderheit, die der alltägliche Kampf gegen Diskriminierung führt, eine sexuelle Minderheit verfolgt. Ja, es scheint völlig absurd, aber es ist die Realität.

Polen: Sexualität als Gewaltinstrument

Wie sagte einmal ein französischer Philosoph, Psychologe und Historiker Michel Foucault, der zu den einflussreichsten Denkern der Gegenwart zählt: “Jede säkulare und kirchliche Macht will Sexualität kontrollieren. Wer Sex kontrolliert, kontrolliert ebenso die Menschen”.

In keiner der Internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme gibt es Vorschriften, die Homosexualität als Krankheit bezeichnen. Trotzdem kann man heute in Polen die Organisationen finden, die die sogenannte Reparativtherapie anbieten.

Warum will Polen die LGBT-Rechte nicht anerkennen und die “Homo-Heilung” verbieten? Hierfür gibt es zwei Gründe: die nationalkonservative Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS) und die Kirche. Heute sind sie als zwei einander ergänzende Bestandteile der absoluten Macht. Die Polen sind sehr religiös. Zahlen lügen nicht: Rund 90 Prozent der polnischen Bevölkerung sind römisch-katholisch. Einige von ihnen sind homosexuell und wollen weiter zur Kirche gehören, aber die Priester sind anderer Meinung: Zuerst sollen LGBT-Menschen ihre sexuelle Orientierung verändern und nur dann können sie an Gott glauben.

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Die rechtskonservative PiS-Partei von Jaroslaw Kaczynski nimmt einen sehr wichtigen Platz in diesem konservativen System. Sie unterstützt das traditionelle Familienmodell, die Kirche und der Patriotismus. Die grundlegende Idee von Jaroslaw Kaczynski dahinter ist, Polen wieder stark und unabhängig zu machen. Bemerkenswert ist, dass die rechtsnationale Kräfte in Polen unter Patriotismus nicht nur die emotional- abstrakte Verbundenheit mit der eigenen Heimat verstehen, sondern auch ein Hassgefühl gegen Flüchtlinge, Schwule und Lesben, einfach gesagt, die tief verwurzelte Xenophobie.

Vor einem Jahr brachte die neue linksliberale Partei „Wiosna“ (Frühling) ein Gesetz zum Verbot sogenannter Konversionsbehandlungen ein, das bisher jedoch nicht verabschiedet wurde. Es scheint, dass heute die römisch-katholische Kirche und verschiedene Organisationen, die die “Homo-Heilung” empfehlen, ungehindert die Reparativtherapie durchführen können. Das bestätigt auch der Bericht der polnischen Organisation Kampagne gegen Homophobie. Als Beweis dafür ist der jüngste Fall im polnischen Poznán (Posen).

Dr. Jolanta Próchniewicz, Mitglied des Vorstands der ProLife Stiftung in Posen, bat die Stadt um Hilfe beim Ausbau der Klinik für die Menschen, die von der „Heteronormativität“ abweichen, berichtet das polnische Nachrichtenportal onet.pl. Die Stonewall-Aktivisten fanden heraus, dass die ProLife Stiftung finanzielle Unterstützung in Höhe von 24 Tausend Zloty (5277 Euro) für psychologische Betreuung und Beratung von traumatisierten Personen bekommen wollte. Sie selbst meint, dass Homosexualität eine “krankhafte” Störung der Geschlechtsidentität ist, die geheilt werden kann.

Jetzt ist es schwierig, eine aktuelle Information über die Konversionstherapie in Polen zu finden. Manchmal scheint es, dass die PiS-Regierung und die Kirche unter dem Druck der EU und der UNO alle Zahlen und Fakten verheimlicht hat. Man darf aber auch nicht vergessen: Lügen haben kurze Beine.

Polen: Woher kommt der Hass gegen LGBT-Jugendlichen?

Jeder vierte LGBT-Jugendliche wurde missbraucht. Viele von ihnen wollten sich umbringen. Warum? Weil sie jeden Tag in der Schule, im Krankenhaus, im Geschäft die Agression und Demütigung erdulden müssen. Dieser Hass weckt in jungen Queer-Menschen ein tiefes Gefühl von Angst und Unbehagen, dass sie partout nicht vergessen können. Jetzt will ich eine traurige Geschichte eines schwulen Jungen aus Polen erzählen, der wegen Diskriminierung Suizid begangen hat. Diese Geschichte stammt aus dem Artikel des polnischen Journalisten Janusz Schwertner (das polnische Nachrichtenportal onet.pl).

Viktor war ein sehr sensibler und künstlerisch veranlagter Mensch. Zwei Jahre zuvor hat Viktor (damals noch Viktoria) eine Schule gewechselt. Er war 13 Jahre alt. In den Pausen las er Bücher, statt mit den Mitschülern zu spielen und lernte im Unterricht Manga zu zeichnen. In seiner Freizeit montierte Viktor Anime-Videos. Einige Wochen später stießt er auf Schwierigkeiten im Umgang mit seinen Mitschülern, von denen er fast täglich beleidigt und gehänselt wurde.

Trotz der begängstigenden Situation wollte der Junge nicht wieder die Schule wechseln und versicherte, dass er Mobbing überstehen kann. Aber am Ende des Schuljahrs sagte Viktor seiner Freundin, dass er Selbstmord begehen will.

Mangafiguren

Im Juni 2018 kommt er in die psychiatrische Kinderklinik der Stadt Józefów. Die Atmosphäre im Zimmer lässt zu wünschen übrig: schweißige, schmutzige Bettwäsche mit den getrockneten Blutstropfen, die mit Filzschtiften bemalte Wände.

An der Wand waren weitere Aufschriften zu sehen: “fuck life”, “Morgen bringe ich mich um” und verschiedene Bilder z.B Schniedel oder Galgen. Auch in dem ganzen Zimmer waren alte Blutspuren. Die Kinder sollen in solcher Einrichtung wohnen und ihre Abneigung verbergen. Die Matratzen und Betten haben abstehende Stahlruten, mit denen die Kinder sich selbst verstümmeln.

Qulle: Onet

Die Klinik war voll von Kindern, die zu zweit – zu dritt auf schmutzigen Matratzen und in alten Betten lagen. Einige Matratzen waren gerade im Flur. Dann konnte man kahle Wände, abgebröckelten Putz, alte zerbrochene Möbel sehen. Die Kinder schlendern ziellos. Ihre Arme und Beine sind mit Schnittwunden übersät.