Wie sich Turów auf tschechische Seite auswirkt?

Fast jeder in Polen kennt den Tagebau Turów, der das gleichnamige Kraftwerk mit Braunkohle versorgt. Viele Polen setzen große Hoffnungen auf ihn. Doch die Natur zahlt einen hohen Preis für eine gewisse Wurstigkeit der polnischen Regiereung. Nebenbei gesagt war im Jahr 2007 das Braunkohle-Kraftwerk Turów der größte Klimasünder in Polen und fand sich auf dem Platz acht unter den Top-Verschmutzern Europas.

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Tschechische Umweltschützer schlagen Alarm wegen Braunkohleförderung im Tagebau Turów, der an der Grenze zu Tschechien liegt. Einem Bericht des Senders Radio Prag zufolge hat das tschechische Umweltministerium bei der Europäischen Kommission ein Gesuch um die Überprüfung der Erweiterung des polnischen Braunkohletagebaus eingereicht.

Die Wassergesellschaften der Reichenberger Region (Liberec) schätzen die Kosten für Schutz der Trinkwasser-Quellen auf 1,5 Milliarden Kronen (rund 60 Millionen Euro). Der Landkreissprecher Filip Trdl betonte, dass der Betrag tragende Kosten schon beinhaltet.

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“Die Nordböhmische Wassergellschaft (Severočeská vodárenská společnost) bereitet Projekte für notwendigen Maßnahmen vor, und erwartet das Geld dafür vom Staat”, sagte der Generaldirektor der wasserwirtschaftlichen Eigentumsgesellschaft Bronislav Špičák.

Dan Ramzer, der Vorstandsvorsitzende der Friedlandischen Wassergellschaft (Frýdlantské vodárenské společnost) erklärte, dass hunderte Familien keine Wasserversorgung haben. Sie beziehen ihr Trinkwasser aus eigenen Hausbrunnen. Das Problem besteht darin, dass einige von ihnen schon ausgetrocknet sind. In anderen sinkt der Wasserspiegel ab und beträgt im Durchschnitt nur ein paar Zentimeter. Erschwerend kommt hinzu, dass die Dürre-Perioden in der Region häufiger werden, die die Wasserversorgungsprobleme verschärfen, berichtet das tschechische Nachrichtenportal “Seznam Zprávy”.

Protest gegen den Tagebau in Turow|Foto: Deník / Petr Vodseďálek

Laut Josef Datel, einem Experten des Forschungsinstituts für Wasserwirtschaft, sollen durch den Bergbau die Grundwasserquellen auf tschechischem Gebiet um 64 Meter gesunken sein.

Am 30. August 2020 fand an der deutschen, tschechischen und polnischen Grenze ein Protest gegen den geplanten Ausbau des Braunkohletagebaus Turów in Polen statt. Nahe des tschechischen Ortes Grottau (Hrádek nad Nisou) wollen mehrere hundert Demonstranten zu einem schnellen Kohleausstieg und einem Übergang zur reinen und nachhaltigen Energiezukunft in dem Dreiländereck beitragen.

Donau-Oder-Elbe-Kanal ist großer Fehler

Die Tschechische Republik leidet unter einer enormen Dürre. Aber anstatt echter Maßnahmen zur Wasserrückhaltung in der Landschaft will die tschechische Regierung der sinnlose Donau-Oder-Elbe-Kanal (DOEK) bauen. Es geht um den Bau eines Teilstücks an der Oder zwischen Ostrava und der Grenze mit Polen. Einem Bericht des Senders Radio Prag zufolge soll die erste Bauetappe 15 Milliarden Kronen (etwa 554 Millionen Euro) kosten. Die Gesamtlänge der Schifffahrtstraße beträgt rund 62 Kilometer.

Die tschechische Partei der Grünen (Strana zelených) stellte sich gegen geplantes Kanal-Projekt. Die Partei schlägt vor, den Kanal aufzugeben und das angesparte Geld in den nächsten 20 Jahren in sinnvollere Maßnahmen zu investieren.

Die Grünen-Mitglieder fassen eine Petition ab, die schon 13.580 Menschen unterschrieben haben. Die Umweltorganisationen befürchten massive Eingriffe in den Wasserhaushalt und zahlreiche bestehende Naturschutzgebiete. Die Ökologen betonen, dass die Realisierung derartiges Projektes zur Zunahme regionaler Umweltkatastrophen (Dürre, Überschwemmung u.a.) führen kann.

Die Ökonomin und Rektorin der Mendel-Universität in Brno/Brünn (tschechisch: Mendelova univerzita v Brně, kurz: MENDELU) Danuše Nerudová bezeichnete diese Investitionen in Zeiten des Haushaltsdefizits als absurd. “Wir haben darüber gesprochen, dass man klug im Rahmen des Neustarts der Wirtschaft investieren muss. Wir dürfen das Geld nicht in Beton versenken”, – sagte sie dem tschechischen Online-eMagazin “Echo24.cz“.

“Wir haben keine umgebaute Dálnice 1 (die älteste und längste Autobahn in Tschechien), keine Hochgeschwindigkeits-Eisenbahnen, aber wir bauen den megalomanischen Kanal in einer Zeit, in der wir weder Rentereform noch Steuerreform haben, aber wir haben Geld für solche Sache”, fügte Danuše Nerudová hinzu, die auch Mitglied von KoroNERV-20 ist.

50 Städte und Dörfer protestierten im vergangenen Oktober gegen Projektstart. Dann verfassen die Bürgermeister ein Memorandum, in dem sie fordern, den unbestrittenen Nutzen des Kanals zu beweisen.

Tschechien: Diskriminierung von Roma auf dem Wohnungsmarkt

Laut einer Forschung haben viele Roma und Sinti Diskriminierung bei der Wohnungssuche erlebt.

Roma und Sinti stoßen oft bei der Wohnungssuche auf Vorurteile und Schubladendenken. Es ist schwierig für sie, eine Wohnung zu mieten als für die Mehrheit der Tschechen. Dies bestätigt eine Bachelorarbeit, die Robert Olah, ein Student an der Jan-Evangelista-Purkyně-Universität Ústí nad Labem geschrieben hat.

Foto: Jana Šustová

Robert erschuf acht fiktive männliche und weibliche Figuren mit den typischen Namen von Roma und Tschechen. Unter ausgedachten Namen fand er 1600 Wohnungsangebote auf tschechischen Webseiten chcibezrealitky.cz und byty.cz, wo die Besitzer selbst ihre Immobile inserieren.

Fast 69 Prozent der Vermieter reagierten auf die Nachfragen von erfundenen Personen. Die Roma-Figuren bekamen etwa 50 Prozent positiver Antworten. Die ausgedachte Mieter tschechischer Herkunft erzielten bessere Ergebnisse, sie erhielten 82 Prozent positiver Antworten. Bemerkenswert ist, dass alle negative Nachrichten von Vermietern keine Beleidigungen enthielten.

Der Forschung zufolge sind die Menschen aus den Verwaltungsregionen Mährisch-Schlesien und Aussig (Ústecký kraj) gegenüber Roma und Sinti oft voreingenommen als Bürger im Rest des Landes. Diese Regionen leiden unter den sozialen Problemen und unter der Segregation, berichtet das tschechische Nachrichtenportal denikreferendum.cz.

Aus der Forschung geht hervor, dass das Vorhandensein einer Hochschulbildung bei Roma-Mietern sehr wichtig für die Vermieter ist. Hochgebildete Roma haben die doppelte Chance, eine Wohnung zu mieten, als Roma, die keine Bildung haben.

Die tschechische Organisation IQ Roma Servis hat auch mehrmals auf Diskriminierung von Roma auf dem Wohnungsmarkt hingewiesen, die schon 20 Jahre im Schutzbereich von Rechten und Freiheiten der tschechischen romanessprechenden Gesamtminderheit arbeitet. “Wir wissen aus Erfahrung, dass, wenn man sich im Telefongespräch mit Namen von Sinti und Roma vorstellt, dann ein Vermieter höchstwahrscheinlich den Hörer auflegt.”, erzählte Organisationssprecherin Veronika Stiglerova dem tschechischen Nachrichtenportal “Deník Referendum”. Wenn ein Anrufer sich am Telefon als Tscheche ausgibt, lädt ein Vermieter ihn zu einer offenen Wohnungsbesichtigung ein.

Seit 15 Jahren gilt das Antidiskriminierungsgesetz in der Tschechischen Republik. Das Gesetz muss den gleichberechtigten Zugang zu dem Wohnungsmarkt für alle Menschen unabhängig von Rasse, sozialer Herkunft, Religion oder Geschlecht gewährleisten.

Sie sind 13 Jahre alt, aber sie denken schon an Selbstmord: Wie ist es, schwuler Rom zu sein?

In letzter Zeit spricht man oft über sexuelle Minderheiten unter Roma. Die jahrelange Tabuisierung der Sexualität hat viele Folgen für queere Roma und Sinti. Einige verändern die sexuelle Orientierung und gründen eine Familie, andere wurden von Haus und Hof verjagt.

Der homosexuelle Roma-Aktivist Gianni Jovanovic kämpft heute mit der Initiative „Queer Roma“ gegen Homophobie und Rassismus

Denisa Urbanszka ist in der Umgebung aufgewachsen, wo die Homosexualität (auch Sexualität) ein Tabuthema ist, weil das den christlichen Traditionen der Sinti und Roma widerspricht. “Das Jahr, als ich den Eltern meine sexuelle Orientierung offenbarte, war für mich das bisher schlimmste Jahr meines Lebens. Der Vater weinte und die Mutter erzählte allen von meinem Co­ming-out, weil sie mich beschämen wollte. Sie dachte, dass ich das machte, um die Eltern zu ärgern. Sie meinte, dass ich mich an ihnen für etwas räche. Ich hielt es nicht aus und entkam aus dem Haus.”, erzählte Denisa.

Rene Polak, schwuler Rom aus Ostrava (die drittgrößte Stadt Tschechiens) , stand unter großem Stress, als er sich seiner Mutter zur Homosexualität bekannte, weil sie ihn rausgeschmissen hat. “Selbst wenn ich zum Familienfest komme, höre ich, dass alle im Flüsterton über mich reden. Das ist eine stille Diskriminierung, hinter meinem Rücken schlecht zu reden.”, erzählte Rene.

Die Ex­kom­mu­ni­zie­rung ist die größte Strafe unter Roma und Sinti. Derjenige, der die Regeln der rituellen Reinheit verletzt, soll für immer seine Familie verlassen. Niemand darf mit so einem Mann reden. Und seine Verwandten sollen seine Fotos von der Wand nehmen.

Es ist traurig, dass eine ethnische Minderheit, die der alltägliche Kampf gegen Diskriminierung führt, eine sexuelle Minderheit verfolgt. Ja, es scheint völlig absurd, aber es ist die Realität.

Sage mir, mit wem du umgehst, so sage ich dir, wer du bist!

Marian Kotleba, der Anführer der rechtsradikalen Oppositionspartei LSNS (Kotleba – Ľudová strana Naše Slovensko, Kotleba – Volkspartei Unsere Slowakei), verneint weiterhin die Anschuldigungen der Verbreitung neonazistischer Ansichten und Äußerungen. Viele LSNS-Anhänger bezeichnen sie als politisch motiviert. Passt das zur Realität? Lassen Sie uns sehen, was hier wirklich passiert.
Wer ist für die Demokratie?

Vor kurzem hat Marian Kotleba der rechtspopulistischen Partei SME Rodina und ihrem Parteivorsitzenden Boris Kollar Extremismis vorgeworfen, wie das slowakische Nachrichtenportal dennikn.sk berichtet. Es scheint seltsam, weil LSNS selbst ähnlich wie AfD oder FPÖ agiert.

Wie man so schön sagt: Sage mir, mit wem du umgehst, so sage ich dir, wer du bist! LSNS ist Mitglied der Allianz der europäischen nationalen Bewegungen, einer Vereinigung nationalistischer rechtsextremer Parteien. Einer der berühmtesten Kotleba-Mitstreiter ist Roberto Fiore, der Vorsitzender der italienischen neofaschistischen Partei Forza Nuova und der Allianz für Frieden und Freiheit. Fiore war in der Vergangenheit einer der Anführer der italienischen politischen Bewegung Terza Posizione, die sich zum Nationalsozialismus bekannte. Bemerkenswert ist, dass sich das Truppenkennzeichen der SS-Panzerdivision “Das Reich” für ihr Abzeichen bediente. Roberto Fiore ist offener Anhänger des Faschismus, obwohl der Vorsitzender von Forza Nuova behauptet, dass er gegen Gewalt ist.

Marian Kotleba mit den Vorsitzenden der Allianz für Frieden und Freiheit, Roberto Fiore und Jens Pühse

Anderer enger Verbündeter von LSNS ist die rumänische rechtsextremistische Partei Noua Dreapta. Die Partei kämpft sich gegen sexuelle Minderheiten, Migranten, Sinti und Roma, Globalisierung und “Rassenvermischung”, fordert die EU- und NATO-Austritt. Sie verwendet ein Keltenkreuz in ihrem Logo, das heute als Symbol der rechtsextremen Szene gilt.

Marian Kotleba und der Gründer der Noua Dreapta Teodor Ionescu

Die Nationaldemokratische Partei Deutschlands ist auch Partner von LSNS. Bei einem Treffen der rechtsradikalen Parteien in Banská Bystrica (eine Stadt in der Slowakei) wurde sie von dem bekannten Rechtsextremisten Jens Pühse vertreten, den Kotleba seit Jahren kennt.

Jens Pühse bei der LSNS-Sitzung im Juni 2016

In Tschechien, einem Nachbarland, hat LSNS eine Schwesterpartei – die Arbeiterpartei der sozialen Gerechtigkeit (Dělnická stranu sociální Spravedlnosti; DSSS), die sich auch zu dem Nationalsozialismus bekennt. Hier muss man ein wichtiges Detail erwähnen: Der tschechische Nationalsozialismus hat teilweise andere Inhalte als der deutsche. Laut dem Extremismusforscher Miroslav Mareš entstand er schon im 19. Jahrhundert als Reaktion auf austromarxistische Tendenzen in der Arbeiterbewegung. DSSS veranstaltet oft genug zusammen mit LSNS verschiedene Demonstrationen, Versammlungen und Kundgebungen.

Tomas Vandas (der DSSS-Chef): “Das ist nicht nur die Politik, sondern auch die Freunschaft”

Darum meine ich, dass alle Anschuldigungen von Kotleba dämlich klingen. Wie sagte Bob Marley: “Beurteilen Sie andere nicht, bis Sie sich selbst beurteilen”.

Herr Duda, erzähl uns nix vom Pferd!

Zuerst möchte ich einfach nur einiges erwähnen: Vor vier Monaten sagte Polens Präsident Andrzej Duda in einem Interview mit dem polnischen Nachrichtenmagazin “Wprost”, dass er bereit ist, das Gesetz über die Eintragung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften zu unterstützen.

Ich denke, wir alle wissen oder verstehen, was das bedeutet. Der linksliberale EU-Abgeordnete Robert Biedrón hatte recht, als er andeutete, dass sich die polnische Bürger, insbesondere die LGBT-Community, keine Illusionen mehr darüber machen sollen.

Viele vernünftige Menschen empörten sich, als sie gelesen oder gehört hatten, dass Polens Präsident die LGBT-Ideologie zerstörerischer als Kommunismus stellte. Für ihn war besonders wichtig zu betonen, dass die Generation seiner Eltern vierzig Jahre lang darum kämpfte, “die kommunistische Ideologie aus den Schulen zu verbannen, damit sie den Kindern nicht aufgezwungen werden konnte”. Er wollte seinen Bürgern zeigen, wie groß diese “Regenbogen-Gefahr” ist. Aber das ist wirklich absurd. Wie kann man die politische Richtung, die sich gegen den Kapitalismus wendet, mit dem Wunsch nach einem normalen freien Leben vergleichen?

Es fiel mir schwer zuzugeben, dass die queere Menschen heute in dem europäischen Land hilflos gegenüber der nationalkonservativen Regierungspartei sind.

Polen: Ikea-Manager kündigte einem homophoben Mitarbeiter und jetzt wurde er angeklagt

Ein schwedischer Enrichtungskonzern Ikea ist bekannt für seine freundschaftliche Beziehungen zu queeren Menschen. Das Unternehmen wollte ein Vorbild sein und veröffentlichte in seinem Intranet ein Dokument, in dem die Ikea-Führung den Internationalen Tag gegen Homophobie unterstützt. Auch hat sie eine offene Umfrage mit Mitarbeitern durchgeführt, ob sie solidarisch mit der LGBT-Community sind. Dann ist alles schlimmer geworden, als man vorstellen konnte.

Ein Eingestellter der Zweigstellen von Ikea in Krakau veröffentlichte die Bibelabschnitte, in den über Vernichtung der Homosexuellen besprochen wird, berichtet der Webportal Notes From Poland. Es geht um das dritte Buch des jüdischen Tanach, die als Levitikus bekannt ist. Tomasz zitierte Auszüge aus dem Kapitel 18, aus denen hervorgehe, dass die Menschen für Homosexualität bestrafen werden müssen: Du darfst nicht mit einem Mann schlafen, wie man mit einer Frau schläft; das wäre ein Gräuel. Alle nämlich, die irgendeine dieser Gräueltaten begehen, werden aus der Mitte ihres Volkes ausgemerzt.

Auch kritisierte Tomasz die Akzeptanz und die Unterstützung der Homosexualität in der Gesellschaft, die er als “abweichendes Verhalten” bezeichnete. Ikea verlangte von ihm diesen Beitrag zu löschen, aber er weigerte sich.

Was nun so interessant ist, dass andere Mitarbeiter über Tomasz klagen. Sie meinen, dass er sich gegenüber den queeren Menschen intolerant und vorurteilshaft verhält. Das ist einer der Gründe, warum er entlassen wurde.

Wie das slo­wa­kische Nachrichtenportal startitup.sk berichtet, befindet sich sein Fall derzeit in den Händen der polnischen Staatsanwaltschaft und sie ist da ganz anderer Meinung. Der Staatsanwaltschaft zufolge machte Tomasz nichts illegales. Die Anschuldigungen wurden gegen den Personalmanager erhoben. Insbesondere ihm droht nun eine Haftstrafe für die Verletzung der Religionsfreiheit. Trotzdem wurde das Opfer von der Seite Ikea juristisch geschützt.

Bemerkenswert ist, dass laut der jüngsten jährlichen Bewertung der LGBTQI-Rechte in Europa, die von ILGA-Europe durchgeführt wurde, rangiert Polen hinsichtlich des Schutzes sexueller Minderheiten auf Platz 42 von 49 europäischen Ländern. Im Jahr 2019 war Polen noch auf Platz 38.

Polen: Sexualität als Gewaltinstrument

Wie sagte einmal ein französischer Philosoph, Psychologe und Historiker Michel Foucault, der zu den einflussreichsten Denkern der Gegenwart zählt: “Jede säkulare und kirchliche Macht will Sexualität kontrollieren. Wer Sex kontrolliert, kontrolliert ebenso die Menschen”.

In keiner der Internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme gibt es Vorschriften, die Homosexualität als Krankheit bezeichnen. Trotzdem kann man heute in Polen die Organisationen finden, die die sogenannte Reparativtherapie anbieten.

Warum will Polen die LGBT-Rechte nicht anerkennen und die “Homo-Heilung” verbieten? Hierfür gibt es zwei Gründe: die nationalkonservative Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS) und die Kirche. Heute sind sie als zwei einander ergänzende Bestandteile der absoluten Macht. Die Polen sind sehr religiös. Zahlen lügen nicht: Rund 90 Prozent der polnischen Bevölkerung sind römisch-katholisch. Einige von ihnen sind homosexuell und wollen weiter zur Kirche gehören, aber die Priester sind anderer Meinung: Zuerst sollen LGBT-Menschen ihre sexuelle Orientierung verändern und nur dann können sie an Gott glauben.

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Die rechtskonservative PiS-Partei von Jaroslaw Kaczynski nimmt einen sehr wichtigen Platz in diesem konservativen System. Sie unterstützt das traditionelle Familienmodell, die Kirche und der Patriotismus. Die grundlegende Idee von Jaroslaw Kaczynski dahinter ist, Polen wieder stark und unabhängig zu machen. Bemerkenswert ist, dass die rechtsnationale Kräfte in Polen unter Patriotismus nicht nur die emotional- abstrakte Verbundenheit mit der eigenen Heimat verstehen, sondern auch ein Hassgefühl gegen Flüchtlinge, Schwule und Lesben, einfach gesagt, die tief verwurzelte Xenophobie.

Vor einem Jahr brachte die neue linksliberale Partei „Wiosna“ (Frühling) ein Gesetz zum Verbot sogenannter Konversionsbehandlungen ein, das bisher jedoch nicht verabschiedet wurde. Es scheint, dass heute die römisch-katholische Kirche und verschiedene Organisationen, die die “Homo-Heilung” empfehlen, ungehindert die Reparativtherapie durchführen können. Das bestätigt auch der Bericht der polnischen Organisation Kampagne gegen Homophobie. Als Beweis dafür ist der jüngste Fall im polnischen Poznán (Posen).

Dr. Jolanta Próchniewicz, Mitglied des Vorstands der ProLife Stiftung in Posen, bat die Stadt um Hilfe beim Ausbau der Klinik für die Menschen, die von der „Heteronormativität“ abweichen, berichtet das polnische Nachrichtenportal onet.pl. Die Stonewall-Aktivisten fanden heraus, dass die ProLife Stiftung finanzielle Unterstützung in Höhe von 24 Tausend Zloty (5277 Euro) für psychologische Betreuung und Beratung von traumatisierten Personen bekommen wollte. Sie selbst meint, dass Homosexualität eine “krankhafte” Störung der Geschlechtsidentität ist, die geheilt werden kann.

Jetzt ist es schwierig, eine aktuelle Information über die Konversionstherapie in Polen zu finden. Manchmal scheint es, dass die PiS-Regierung und die Kirche unter dem Druck der EU und der UNO alle Zahlen und Fakten verheimlicht hat. Man darf aber auch nicht vergessen: Lügen haben kurze Beine.

Blutspende-Verbot für schwule Männer

Die Pandemie weist auf ein krankes System der Menschheit hin. Überall kann man neues Phänomen beobachten: Corona-Rassismus. Im südchinesischen Guangzhou werden Afrikaner diskriminiert. In Tschechien leiden Roma unter Diskriminierung. Die LGBT-Personen stoßen jetzt auch auf Schwierigkeiten.

Ein Amerikaner, der das Coronavirus besiegte, wollte sein Blut für die Behandlung von Covid-19-Patienten spenden, aber die Ärzte lehnten seine Hilfe ab. Der Grund ist dafür einfach: Er ist schwul.

Trotz der Liberalisierung der Blutspenderverordnung weigern sich viele Nationale Blutzentren das Blutplasma von genesenen Schwulen zu nutzen, berichtet der Nachrichtensender “NBC News“.

Irgendwann Anfang März erwischte das Coronavirus den 36-Jährigen New-Yorker Lukus Estok. Er wurde etwa einen Monat später von der Krankheit geheilt und möchte den Infizierten behilflich sein. In einigen Tagen versuchte Lukus Blut zu spenden, um am Kampf gegen die Pandemie mitzuwirken. Aber leider wurde seine Kandidatur zurückgewiesen. Er war symptomfrei, hatte keine gefährlichen Erreger im Blut und keinen Kontakt zu einer mit dem coronainfizierten Person. Lukus erzählte den Ärzten einfach, dass er schwul ist! “Ich war geschockt. Ich habe keine solche Reaktion erwartet. Als ob ich radiaktiv wäre”, sagte er.

Lukus Estok

Dabei verneinen die Mitarbeiter des Blutspendedienstes in New York, dass die Ursache für die Absage eine gleichgeschlechtliche Orientierung war. Sie behaupten, dass das medizinische System für neue Veränderungen nicht bereit ist.

Dies ist nicht das erste Mal, berichtet “NBC News“. Der 24-Jährige Brandon Guntner aus Kalifornien wurde auch nach dem Coming-out abgewiesen.

In Österreich passierte vor einiger Zeit ein ähnlicher Fall: Ein Mann aus Wien, der anonym bleiben möchte, wollte im Plasmazentrum vom Pharmakonzern Takeda sein Blutplasma spenden. Doch im Jahr 2019 ist das Blutspende-Verbot für schwule Männer in Kraft getreten. Und in Österreich wurde die Blutspende wegen der Corona-Krise nicht liberalisiert. Wie ihr euch bestimmt vorstellen könnt, machten sie bei diesem Mann keine Ausnahme.

Frankreich: Kein Platz für Rassismus!

“An dieser Stelle habe ich eine Bitte an unsere Fans: Falls irgendjemand unter euch in irgendeiner Art und Weise Hass auf Homosexuelle, Menschen mit anderer Hautfarbe oder Frauen hat, bitte tut uns einen Gefallen: Lasst uns verdammt nochmal alleine! Kommt nicht zu unseren Konzerten und kauft keine unserer Platten.” – Kurt Cobain

Frankreich wird von einem Rassismus-Skandal erschüttert. Eine rege Fernsehdiskussion zwischen zwei französischen Wissenschaftlern, die für Zweckmäßigkeit der Corona-Imfstofftestung an armen Afrikanern gesprochen haben, brachte die Öffentlichkeit in Rage.

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Jean-Paul Mira, Chefarzt am Pariser Cochin-Krankenhaus, schlug diese “famose Idee” vor, in Afrika zu experimentieren, “wo es keine Masken, keine Behandlungsmöglichkeiten und keine Wiederbelegungsmaßnahmen gibt” Camille Locht, Forschungsdirektor bei Inserm (französisches Institut für Gesundheit und medizinische Forschung, unterstützte Mira in seinen Bestrebungen, eine Studie in Afrika durchzuführen.

Tedros Adhanom, Chef der Weltgesundheitsorganisation, bezeichnete solche Vorschläge als “Überbleibsel einer Kolonialmentalität” und betonte, das es beschämend und entsetzlich ist, Wissenschaftler im 21. Jahrhundert solche Bemerkungen sagen zu hören.

Mehrere afrikanische Fußballstars haben ihre Empörung über die Äußerungen der beiden Mediziner in den sozialen Netzwerken veröffentlicht. Der ehemalige kamerunische Fußballspieler Samuel Eto’o, attackierte in seinem Instagram-Post Medizinprofessoren: “Ihr seid Müll! Afrika ist nicht dazu da, dass ihr damit spielt.”

Ein anderer weltbekannter Fußballspieler, Didier Drogba, konnte auch nicht fernbleiben. “Es ist undenkbar, dass wir das akzeptieren würden. Afrika ist kein Labor. Ich wehre mich auf das Schärfste gegen diese ernsthaft rassistischen und verächtlichen Bemerkungen.” – schrieb er auf Instagram.