Er ist Transgender und entschied sich für eine Abtreibung. Der Junge erzählt, wie LGBT in Polen lebt

Im vergangenen Sommer dachte der 21-jährige Lusiek aus Warschau darüber nach, in die Politik zu gehen. Er wollte eine Partei gründen, die für die LGBT-Rechte zuständig sein würde. Lusiek ist Transgender und identifiziert sich als Mann. Er hatte eine Abtreibung vorgenommen und wurde von den polnischen Medien verspottet.

Alles änderte sich am 7. August. An diesem Tag vor einem Jahr protestierten Hunderte Menschen, darunter Lusiek, gegen Urteil im Fall von Margo, die in der Sachbeschädigung beschuldigt wurde, obwohl sie die Kaution hinterlegte und regelmäßig das Polizeirevier besuchte. Die Polizei schritt hart ein, die Menschenrechtorganisation Human Rights Watch zählte 48 Festnahmen. Bei der Demo wurde auch Margo verhaftet. Die nächsten zwei Monate hat sie im Gefängnis verbracht.

“Damals wurde ich radikal und habe aufgehört, die Polizei zu mögen”, erinnert sich Lusiek. Lusiek zufolge ist er jetzt Anarchist.

Lusiek hat auch schlechte Erfahrung gemacht. Vor ein paar Monaten wurde er öffentlich gedemütigt. Er schrieb auf Instagram, dass er abgetrieben hatte. Dann wurde er in die Talkshow von dem polnischen TV-Sender TVP eingeladen, wo alle ihn ausgelacht haben. Sie haben keine Ahnung, wie der Transjunge die Abtreibung vornahm. Kurz danach sagten seine Nachbarn ihm, dass er Kindermörder ist. Sie gaben ihm zwölf Stunden Zeit, die Wohnung zu verlassen. Jetzt wechselt er oft den Wohnort.

Nach diesen Ereignissen will Lusiek auf jeden Fall aus Polen raus. Abtreibungen sind de facto in Polen verboten. Es führt vor allem zu Angst, weil das heißt, dass die Kinder, die keine Chance auf Überleben haben, müssen ab jetzt zu Leben kommen. Und unnötig zu erwähnen, dass die Situation der LGBT-Community in Polen weiter eskaliert. Wie haben eine systematische von der PiS-Regierung finanzierte Homophobie und Transphobie im Land.

Gregor Gysi und Nationalismus in der Ukraine

Vor kurzem habe ich ein interessantes YouTube-Video gefunden. Das war die Rede des Abgeordneten der Fraktion Die Linke Gregor Gysi im Deutschen Bundestag im Jahr 2014 über den Krieg in der Ostukraine und über die EU-NATO-Russland-Beziehungen.

Er hat auch ein wichtiges Thema angerissen, die das Problem des Nationalismus in der Ukraine betrifft. Er erzählte, dass im Jahr 2014 auf dem Majdan nicht nur demokratische Kräfte, sondern auch Faschisten waren. Und nachdem der ehemalige Präsident Viktor Janukowitsch die Ukraine verlassen hatte, tagte das Parlament, das ihn mit 72 Prozent abwählte. Aber die Verfassung schreibt 75 prozent vor. Dann wurde eine neue Regierung gebildet, die von dem US-Staats­chef Barack Obama auch von der EU und von der Bundesregierung anerkannt wurde.

Und hier muss man hervorheben, dass wichtige Posten hatten die Faschisten. “Der Vize-Premierminister, der Verteidigungsminister, der Landwirtschaftsminister, der Umweltminister, der Generalstaatsanwalt – das sind Faschisten. Der Chef des nationalen Sicherheitsrates ist Gründungsmitglied der faschistischen Swoboda-Partei.” – sagte Gregor Gysi. Das ist die traurige Wahrheit. Der damalige Vize-Premierminister Oleksander Sych ist Mitglied der Allukrainischen Vereinigung Swoboda (“Freiheit”), die als rechtsradikale Partei gilt. Der Verteidigungsminister Ihor Tenjuch ist auch Mitglied der Swoboda-Partei. Der ehemalige Landwirtschaftsminister, der Umweltminister und der Generalstaatsanwalt sind auch Mitglieder der Swoboda-Partei!

Wolfsangel – Swoboda-Parteilogo von 1991 bis 2004

Gysi betonte, dass Swoboda engste Kontakte zur NPD und zu anderen Rechtsaußen-Parteien in Europa hat. Ich war geschockt, als Gregor Gysi die Worte des Swoboda-Chefs Oleg Tjagnibok zitierte. Damals sagte Gysi: “… und der Vorsitzende dieser Partei, Oleg Tjagnibok hat Folgendes wörtlich erklärt. Ich zitiere jetzt. Das müssen Sie sich anhören, was er wörtlich gesagt hat: ,Schnappt euch die Gewehre. Bekämpft die Russensäe, die Deutschen, die Judenschw*ne und andere Unarten.’ (…) Es gibt jetzt Übergriffe aus Jüdinnen und Juden und auf Linke, und gegen all das sagen Sie nichts. Mit diesen Swoboda-Leuten reden Sie? Ich finde das einen Skandal. Ich muss Ihnen das ganz klar sagen.”

Oleg Tjagnibok Foto: dpa

Und jetzt möchte ich euch allen daran erinnern, dass Im Jahr 2000 einer der umstrittensten Politiker in ganz Europa, ein Rechtspopulist Jörg Haider an der Bildung einer Koalitionsregierung zwischen ÖVP und FPÖ in Österreich maßgeblich beteiligt war. Damals verhängten 14 übrigen EU-Mitgliedstaaten, sowie Tschechien, Norwegen, Kanada und Israel die Sanktionen gegen Österreich aufgrund verschiedener fremdenfeindlicher und antisemitischer Äußerungen Haiders.

Dies ist ein Pa­ra­dox. Warum ist in der Ukraine alles anders? Warum ist das Problem des Nationalismus in der Ukraine den meisten Politikern völlig egal?

Kann Europa zur Freiheitszone für LGBTIQ+ Rechte werden?

NEOS unterstützen die #LGBTIQFreedomZone-Kampagne der europäischen Liberalen sowie den dahingehenden Beschluss des Europäischen Parlaments. Sie meinen, dass Europa eine Freiheitszone für LGBTIQ+ werden muss. Ist es doch möglich?

Die NEOS-Europaabgeordnete Claudia Gamon erkennt dabei, dass die Diskriminierung von Minderheiten gerade in Ländern wie Polen oder Ungarn wieder auf dem Vormarsch ist. Laut ILGA Europe verschlechtere sich im Jahr 2020 die Lage von LGBTI-Rechten in rund der Hälfte der europäischen Länder. Nach diesen Kriterien schneiden Litauen, Italien, Bulgarien, Rumänien, Lettland und Polen ab, wenn es um die Anerkennung der LBGTIQ-Rechte geht. Hass gegen LGBT-Personen ist zur Norm in diesen Ländern geworden. Und in einigen Ländern, wie Polen oder Ungarn, gelten Homophobie und Diskriminierung aufgrund der sexuellen Ausrichtung sowie der Geschlechtsidentität als Teil der staatlichen Politik.

Man muß nicht lange suchen, um Beweise der Diskriminierung zu finden. Der polnische Justizminister Zbigniew Ziobro hat sich dafür ausgesprochen, dass es für homosexuelle Paare kein Adoptionsrecht geben soll, wie das Mannschaft-Magazin gestern berichtete. Der Politiker der rechten Regierungspartei Solidarna Polska (Solidarisches Polen) stellte am Donnerstag einen entsprechenden Gesetzentwurf vor. Ungefähr zur gleichen Zeit wurde bekannt, dass der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán eine neue konservative Kraft in Europa formieren möchte – in der Homo- und Transphobe herzlich willkommen sein dürften. In Litauen drohen LGBT-Gegner dem offen homosexuellen Vorsitzenden des Ausschusses für Menschenrechte und haben 300.000 Unterschriften gesammelt, um ihn abzusetzen.

Und dies ist lediglich die Spitze des Eisbergs. Ich bewerte die Errichtung einer “LGBTIQ Freedom Zone” als sehr positiv, aber wie effekriv ist die Kampagne? Oder muss die EU den Druck auf diesen Ländern erhöhen? Wäre es möglich, bei solchen Konflikten eine gemeinsame Lösung, einen Kompromiss zu finden?

Tschechien verklagt Polen wegen Turów

Tschechien plant eine Klage gegen Polen wegen der polnischen Ausbaupläne für den Braunkohletagebau Turow im Dreiländereck zu Sachsen. Das Außenministerium in Prag teilte mit, dass die tschechiesche Regierung am Montag eine Klage gegen Warschau genehmigte.

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Das Braunkohle-Kraftwerk grenzt im Westen an Deutschland, im Osten und Süden an Tschechien. Für Zehntausende Tschechen im Grenzgebiet habe der Braunkohleabbau negative Folgen für ihre Lebensqualität. Tschechien macht Polen dafür verantwortlich, dass der polnische Energiekonzern PGE die EU-Richtlinie zur grenzüberschreitenden Prüfung der Umweltverträglichkeit verstößt.
Im März 2020 hatte Polen die Lizenz für seinen Braunkohletagebau in Turów verlängert. Das gleichnamige Kraftwerk ist bekannt dafür, dass es der größte Klimasünder in Polen ist.

Kontrolle der Vergangenheit in der Ukraine, Polen und Ungarn

Die letzten drei Wochen haben gezeigt, wie sehr unabhängige Medien in der Ukraine, Polen und Ungarn hilflos sind. Obwohl die Regierungen in diesen drei Ländern uns erzählen, dass sie bereit sind, bis zum letzten Atemzug Demokratieprinzipien zu schützen.

Ukraine: Ein Versuch den politischen Gegner zu erledigen

Der frühere ukrainische Präsident Petro Poroschenko und sein Nachfolger Wolodymyr Zelenskij haben häufig davon gesprochen, dass die EU-Mitgliedschaft ihre Priorität ist. Aber Worte reichen nicht aus. Nur Taten verändern die Welt.

Das Land ist weit entfernt von einer freien und objektiven Medienberichterstattung, zeigt der vorjährige Bericht von Reporter ojne Grenzen (ROG). Laut Bericht zum Stand der Pressefreiheit in der Welt belegt die Ukraine den 96. Platz. Die Einschränkungen für die Arbeit der Journalist*innen im Land kann man mit bloßem Auge sehen.

Am Anfang Februar hat Volodymyr Zelenskiy mit seiner Unterschrift einen Beschluss des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrates in Kraft gesetzt, drei Fernsehsender NewsOne, 112 und ZIK zu verbieten, berichtet die Nachrichtenagentur Euronews. Diese Fernsehsender haben politisch die Linie der Partei “Oppositionsplattform – Für das Leben” vertreten, der in der Ukraine zur Opposition gehört.

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Ungarn: völlige Kontrolle über Medien

Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban ist ein Visionär. Er will schon lange völlige Kontrolle über Medien gewinnen. Unabhängige Lokalmedien sind heute eine Seltenheit im Land.

Am Anfang Februar hat das Gericht in Budapest beschlossen, dass regierungskritisches Klubradio am 14. Februar den Sendebetrieb einstellen muss. Mit der Entscheidung hat das Budapester Stadtgericht die ungarische Medienaufsichtsbehörde bestätigt, die im vergangenen September die nunmehr auslaufende Sendelizenz für Klubradio nicht verlängert hatte.

r/Dachschaden - Kontrolle der Vergangenheit in der Ukraine, Polen und Ungarn

Der Grund für den Entzug der Sendelizenz sind Regelverletzungen, wie sie geringfügiger kaum sein könnten. Einige Male gab Klubradio Dokumentationen verspätet ab, mit denen der Medienaufsichtsbehörde NMHH mitgeteilt werden muss, wie groß der Anteil an Gespräch und Nachrichten sowie an ungarischer und ausländischer Musik im Programm ist. Auch soll der Sender die Vorgaben zum Musikanteil einige Male nicht eingehalten haben.

Seit Montag ist das ungarische Sender nur noch im Internet zu emfangen. Der grüne Europa-Abgeordnete Daniel Freund sagte, dass mit Klubradio Ungarn sein letztes unabhängiges Radio verliere.

Polen: Meinungsfreiheit hat nur PiS-Regierung

Die polnische nationalkonservative PiS-Partei nutzt alle Mittel, um Einfluss auf die Medien im eigenen Land auszuüben.

Den Regierungsplänen zufolge sollen internationale und landeseigene Rundfunk, Fernsehen und Zeitungen künftig eine Abgabe für Werbeeinahmen leisten. Die Regierung begründete ihr Vorhaben mit den Folgen der Corona-Pandemie. Aber polnische Medien meinen, dass es ein Versuch ist, die Pressefreiheit im Land zu beschränken.

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“Das sollte ihr Lieblingsprogramm sein” – so protestierten viele Medien gegen die Pläne der Regierung in Warschau. Bild: AFP

Vor 30 Jahren wollten Polen, Ungarn und die Ukraine sowjetische Vergangenheit vergessen und das Fundament einer neuen demokratischen Gesellschaft bilden. Aber heute ist es anders. Diese Länder sind das existierende Beispiel des teilweisen Totalitarismus, wo der Staat die Kontrolle jedes Aspekts des menschlichen Lebens anstrebt. Das erinnert mich an das “Ministerium für Freicheit” aus George Orwells, die die Vergangenheit veränderte. Das Ministerium war bestrebt, alle existierenden Dokumente der gegenwärtigen Parteilinie anzupassen. Niemand soll in der Lage sein, mittels historischer Dokumente Aussagen der Partei zu widerlegen.

Was verbindet Polen, Ungarn und Ukraine? Ich kann folgende Herausforderungen aufzählen: eingeschränkte Presse/Meinungsfreiheit, Rechtsextremismus, Hass auf LGBT-Bewegung. Und wie denken Sie?

China: Nichts persönliches, nur Business

Vor kurzem las ich das Buch von Paul Ronzheimer “Sebastian Kurz – die Biografie” und dachte darüber nach, wie Globalisierung das Leben eines Menschen über Nacht ruinieren kann.

Wir können nicht leugnen, dass heute die Globalisierung unter Chinas Führung geht. Und die Schattenseite der chinesischen Globalisierung ist noch schlimmer, als wir es uns vorstellen konnten. Sie ist in einem gewissen Maße intransparent und nutzt nur wenigen. Es gilt schon als Axiom, dass die Globalisierung der Schaffung neuer Arbeitsplätze fördert. Und jetzt will ich diese Tatsache in Frage stellen.

Das war im Jahr 2005. Damals verloren viele Menschen in Österreich und Deutschland ihre Arbeit wegen Verlagerung der Produktion aus Kostegründen nach China. Josef Kurz (Vater von Sebastian Kurz) arbeitete als Ingenieur und war äußerst besorgt um seinen Job bei Philips.

Sebastian Kurz mit Freundin Susanne Thier und Eltern bei einer Wahlkampfveranstaltung der ÖVP in der Wiener Stadthalle

Es fängt damit an, dass das niederländische Unternehmen Philips seine Werke im Norden Europas schließt. “Die haben damals die Leute aus Deutschland nach Wien geschickt, um hier Mitarbeiter einzulernen. Als die das konnten, haben sie die Deutschen nach Hause geschickt und dann deren Werk geschlossen”, erzählte Josef Kurz. Dennoch erreichte das Unglück Österreich. Die Unternehmensführung hat entschieden, die Mitarbeiter aus Abteilung, wo Josef Kurz arbeitete, in andere Werke zu schicken, nach China.

Josef meinte, dass es unnötig ist und wollte in Österreich bleiben, weil seiner Ansicht nach die Entwicklung und das Know-how nur in Wien passieren können. Und als er gefragt wurde, ob er nach China fahren will, hat er sich geweigert. Das war eine weise Entscheidung, weil sein Kollege, der diesen Job angenommen hat, sozusagen betrogen wurde. Josef Kurz: “Er sollte die Chinesen ausbilden. Nach einem Jahr haben sie dann zu ihm gesagt: Wir können das jetzt allein, und haben ihn entlassen. Er hat dann einen Herzinfarkt bekommen”. “It’s not personal. It’s strictly business”, wie Michael Corleone in dem berühmten Mafiafilm “Der Pate” sagte.

Und noch eine harte Wahrheit des Lebens: Die Kapitalisten sind bereit, alles zu tun, um Profit zu machen.

Wie meinen Sie, ist Globalisierung unter Chinas Führung gut oder schlecht?

Trotz EU-Zielen soll die letzte Zeche in Polen 2049 schließen

Die Polnische Bergbau-Gruppe PGG wird ihre Gruben bis 2049 schließen. Obwohl die Europäische Union ihre Klimaziele verschärft hat, will PGG weiter dem ursprünglichen Plan folgen.

Die nationalkonservative PiS-Regierung, polnische Bergarbeitergewerkschaften und Vertreter des Unternehmens haben wieder einen Plan koordienert, der noch im Septemner genehmigt wurde.

Polen ist einer der führenden Kohleproduzenten und -verbraucher in Europa und trägt zur Erhöhung der Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre bei. Bemerkenswert ist, dass über 80 Prozent des in Polen erzeugten Stroms aus Kohlekraftwerken kommen.

Im vergangenen Dezember hat die Europäische Kommission vorgeschlagen, dass die Treibhausgasemissionen der EU bis 2030 gegenüber 1990 um mindestens 55 Prozent sinken sollen. Das bisherige Ziel lag bei 40 Prozent.

Der PGG-Chef Tomasz Rogala sagte der Nachrichtenagentur Reuters, dass der PGG-Zeitplan abschließend von der EU-Kommission genehmigt werden muss. Doch Kritikern zufolge wird die Zustimmung der EU-Kommission nicht leicht zu erhalten sein. Der PGG-Chef möchte die Stellung der Kommission vor Ende des ersten Halbjahres erfahren. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters ist jedoch nicht klar, ob die Polnische Bergbau-Gruppe um eine Bewilligung für den Zeitplan ersuchen wird.

Der PGG-Bergherr teilte mit, dass der Betriebsverlust im vergangenen Jahr zwei Milliarden Zloty (rund 440 Millionen Euro) betrug. In diesem Jahr soll PGG 24 Millionen Tonnen Kohle fördern.

LGBT-Jugend: Nächster Teenager-Suizid durch Mobbing in Polen

Ein 12-jähriges Mädchen aus Polen beging am 28. September Selbstmord. Zuzia besuchte die 7. Klasse der Schule in der polnischen Stadt Kozienice. Laut Zeugen wurde die Schülerin wegen ihrer sexuellen Orientierung von ihren Mitschülern gedemütigt, schikaniert und gehänselt. Während eines Interviews mit der polnischen Zeitung Gazeta Wyborcza erzählte ein Lehrer der Nachbarschule, dass man sie nicht nur in der Klasse, sondern auch in sozialen Netzwerken in Form des sogenannten Cybermobbings verfolgte. Am Anfang des Schuljahres verließ ein anderer Schüler auch wegen Schikane diese Klasse, berichtet das tschechische Online-Portal A2larm.cz.

Am 1. Oktober haben polnische LGBT-Aktivisten auf dem Gebäude des Bildungsministeriums mit Spray den Namen der Schülerin geschrieben. Dort waren auch die Namen der anderen Minderjährigen aus Polen, die sich in den letzten Jahren aus demselben Grund das Leben genommen haben.

Foto: PAP/Paweł Supernak

Laut einer Umfrage aus dem Jahr 2016 wurden 44% Teenager Opfer der homophoben Verbalaggression. Fast jeder zehnte Jugendliche in Polen wurde mindestens einmal Opfer körperlicher Gewalt.

Dies ist darauf zurückzuführen, dass viele polnische Politiker eine Hass-Atmosphäre gegen LGBT-Personen schaffen. Einer von ihnen ist der neue Bildungsminister Przemyslaw Czarnek, der für seine Hetzkampagnen gegen die LGBT-Gemeinschaft bekannt ist. “Diese Menschen sind nicht mit normalen Menschen gleichzusetzen”, sagte der 43-jährige PiS-Abgeordnete während der Präsidentschaftskampagne über die LGBT-Community. Als Przemysław Czarnek den Gouverneur-Posten der Region Lublin bekleidete, war er maßgeblich an der Erklärung der Woi­wod­schaft zur LGBT-freien Zone beteiligt, erzählte der Philosoph Tomasz Kitlinski im Gespräch mit der taz.

Die Staatsanwaltschaft in Kozienice verlautbarte, dass die Ermittlungen nach dem Suizid der zwölfjährigen Polin eingeleitet wurden. Jetzt wartet sie auf die Bekanntgabe der Obduktionsergebnisse.

Wie sich Turów auf tschechische Seite auswirkt?

Fast jeder in Polen kennt den Tagebau Turów, der das gleichnamige Kraftwerk mit Braunkohle versorgt. Viele Polen setzen große Hoffnungen auf ihn. Doch die Natur zahlt einen hohen Preis für eine gewisse Wurstigkeit der polnischen Regiereung. Nebenbei gesagt war im Jahr 2007 das Braunkohle-Kraftwerk Turów der größte Klimasünder in Polen und fand sich auf dem Platz acht unter den Top-Verschmutzern Europas.

Foto: wikimedia

Tschechische Umweltschützer schlagen Alarm wegen Braunkohleförderung im Tagebau Turów, der an der Grenze zu Tschechien liegt. Einem Bericht des Senders Radio Prag zufolge hat das tschechische Umweltministerium bei der Europäischen Kommission ein Gesuch um die Überprüfung der Erweiterung des polnischen Braunkohletagebaus eingereicht.

Die Wassergesellschaften der Reichenberger Region (Liberec) schätzen die Kosten für Schutz der Trinkwasser-Quellen auf 1,5 Milliarden Kronen (rund 60 Millionen Euro). Der Landkreissprecher Filip Trdl betonte, dass der Betrag tragende Kosten schon beinhaltet.

Foto: wikimedia

“Die Nordböhmische Wassergellschaft (Severočeská vodárenská společnost) bereitet Projekte für notwendigen Maßnahmen vor, und erwartet das Geld dafür vom Staat”, sagte der Generaldirektor der wasserwirtschaftlichen Eigentumsgesellschaft Bronislav Špičák.

Dan Ramzer, der Vorstandsvorsitzende der Friedlandischen Wassergellschaft (Frýdlantské vodárenské společnost) erklärte, dass hunderte Familien keine Wasserversorgung haben. Sie beziehen ihr Trinkwasser aus eigenen Hausbrunnen. Das Problem besteht darin, dass einige von ihnen schon ausgetrocknet sind. In anderen sinkt der Wasserspiegel ab und beträgt im Durchschnitt nur ein paar Zentimeter. Erschwerend kommt hinzu, dass die Dürre-Perioden in der Region häufiger werden, die die Wasserversorgungsprobleme verschärfen, berichtet das tschechische Nachrichtenportal “Seznam Zprávy”.

Protest gegen den Tagebau in Turow|Foto: Deník / Petr Vodseďálek

Laut Josef Datel, einem Experten des Forschungsinstituts für Wasserwirtschaft, sollen durch den Bergbau die Grundwasserquellen auf tschechischem Gebiet um 64 Meter gesunken sein.

Am 30. August 2020 fand an der deutschen, tschechischen und polnischen Grenze ein Protest gegen den geplanten Ausbau des Braunkohletagebaus Turów in Polen statt. Nahe des tschechischen Ortes Grottau (Hrádek nad Nisou) wollen mehrere hundert Demonstranten zu einem schnellen Kohleausstieg und einem Übergang zur reinen und nachhaltigen Energiezukunft in dem Dreiländereck beitragen.

Donau-Oder-Elbe-Kanal ist großer Fehler

Die Tschechische Republik leidet unter einer enormen Dürre. Aber anstatt echter Maßnahmen zur Wasserrückhaltung in der Landschaft will die tschechische Regierung der sinnlose Donau-Oder-Elbe-Kanal (DOEK) bauen. Es geht um den Bau eines Teilstücks an der Oder zwischen Ostrava und der Grenze mit Polen. Einem Bericht des Senders Radio Prag zufolge soll die erste Bauetappe 15 Milliarden Kronen (etwa 554 Millionen Euro) kosten. Die Gesamtlänge der Schifffahrtstraße beträgt rund 62 Kilometer.

Die tschechische Partei der Grünen (Strana zelených) stellte sich gegen geplantes Kanal-Projekt. Die Partei schlägt vor, den Kanal aufzugeben und das angesparte Geld in den nächsten 20 Jahren in sinnvollere Maßnahmen zu investieren.

Die Grünen-Mitglieder fassen eine Petition ab, die schon 13.580 Menschen unterschrieben haben. Die Umweltorganisationen befürchten massive Eingriffe in den Wasserhaushalt und zahlreiche bestehende Naturschutzgebiete. Die Ökologen betonen, dass die Realisierung derartiges Projektes zur Zunahme regionaler Umweltkatastrophen (Dürre, Überschwemmung u.a.) führen kann.

Die Ökonomin und Rektorin der Mendel-Universität in Brno/Brünn (tschechisch: Mendelova univerzita v Brně, kurz: MENDELU) Danuše Nerudová bezeichnete diese Investitionen in Zeiten des Haushaltsdefizits als absurd. “Wir haben darüber gesprochen, dass man klug im Rahmen des Neustarts der Wirtschaft investieren muss. Wir dürfen das Geld nicht in Beton versenken”, – sagte sie dem tschechischen Online-eMagazin “Echo24.cz“.

“Wir haben keine umgebaute Dálnice 1 (die älteste und längste Autobahn in Tschechien), keine Hochgeschwindigkeits-Eisenbahnen, aber wir bauen den megalomanischen Kanal in einer Zeit, in der wir weder Rentereform noch Steuerreform haben, aber wir haben Geld für solche Sache”, fügte Danuše Nerudová hinzu, die auch Mitglied von KoroNERV-20 ist.

50 Städte und Dörfer protestierten im vergangenen Oktober gegen Projektstart. Dann verfassen die Bürgermeister ein Memorandum, in dem sie fordern, den unbestrittenen Nutzen des Kanals zu beweisen.